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Lehrer in Eifel fordern mehr Schulsozialarbeit​


Hilfe in Krisen
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Wegen Mobbing, Überforderung und Medien: Lehrer in der Eifel fordern mehr Schulsozialarbeit

Schulsozialarbeit gilt inzwischen als unentbehrlich. Scheidung, Tod und Krankheit, Cyber-Mobbing, sexuelle Orientierungslosigkeit, mediale Überforderung – Kinder und Jugendliche schultern schweren Ballast. Wie dringend die Schulsozialarbeit aufgestockt werden müsste, zeigt unsere Umfrage an Schulen im Eifelkreis.

Lehrer sind sich schulartübergreifend einig: Der Bedarf an Beratung und Unterstützung der Schüler ist in den letzten Jahren erheblich gestiegen. Ingo Krämer, Schulleiter des St. Willibrord-Gymnasiums in Bitburg: “Die Bedeutung von Schulsozialarbeit kann nicht hoch genug eingeschätzt werden.”

Lange herrschte das Bild, am Gymnasium sei sie nicht nötig. „Dem ist eben nicht so“, sagt Schulleiter Krämer ehrlicherweise. Probleme gibt es eben überall.

Im sozialen Miteinander sei zu beobachten, dass durch Corona das Gemeinschaftsgefühl stark gelitten habe. „Der Zugang zu den eigenen Emotionen und Bedürfnissen ist mitunter verschüttet. Hinzu kommt ein gesellschaftlicher Erwartungs- und Leistungsdruck“, nennt Lehrerin Martina Rütt, zuständig für die Schulentwicklung am Willibrord Gymnasium, Problemfelder.

An der Schule gibt es seit März 2022 eine Schulsozialarbeiterin, die hier mit 19,5 Stunden beschäftigt ist und auch die Schulsozialarbeiterin an der Otto Hahn Realschule Plus noch unterstützt. Das Gymnasium stuft den derzeitigen Stundenansatz als „Fundament“ ein, das „bei weiter steigendem Bedarf entsprechend verstärkt werden müsste“.

Eigentlich ist der Einsatz der Schulsozialarbeiterin bis zum Schuljahresende 2023 befristet. Der Kreis, der die Stelle finanziert, beschäftige sich allerdings damit, wie sie fortgeführt werden könne, heißt es aus der Schule.

Auf unsere Anfrage beim Kreis, an welchen Schulen Veränderungen anstehen und wie der Landrat die Bedeutung der Schulsozialarbeit einstuft, machte die Kreisverwaltung keine Angaben. Sie weist lediglich allgemein darauf hin, dass der Kreis an Grundschulen Stellenanteile mitfinanziere und dass im Mai Bundes- und Landesmittel zur Aufstockung von Schulsozialarbeit auslaufen. Faktisch bedeutet das, dass die Schulsozialarbeit damit auf weniger Stunden zurückfällt, falls der Kreis, Städte und Verbandsgemeinden die Lücke nicht auffüllen. Ähnlich wie bei Gymnasien herrschte auch für Grundschulen lange Zeit die Meinung, dass hier die Welt noch in Ordnung sei. „Das ist nicht so“, versichert die Leiterin einer Grundschule in der VG Südeifeldie namentlich nicht genannt werden möchte.

Auch unter den ganz jungen Schülern gebe es Mobbing und vor allem häusliche Probleme. „Die Probleme haben sich verändert und sind mehr geworden“, stellt sie fest. Hauptursache seien veränderte soziale und familiäre Strukturen, die dazu führten, dass Kinder häufiger allein seien und mehr Zeit am Useful verbringen. Das führe zu sozialen Defiziten und medialer Überfrachtung. Noch eine Folge: Kinder bringen Angste mit in die Schule, die das Lernen erschweren. Lehrer seien immer mehr mit erzieherischen Aufgaben betraut, statt zu unterrichten.

„Schulsozialarbeit ist uns ein großes Anliegen“, sagt sie daher für ihre Schule, an der die Schulsozialarbeiterin mit nur acht Stunden für 100 Kinder eingesetzt ist. „Wir müssen deshalb selektieren“, bedauert die Schulleiterin, Kinder vertrösten zu müssen. „Wir bräuchten dauerhaft Hilfe.“ Nur mit mehr Stunden könnte Schulsozialarbeit auch präventiv wirken „und nicht nur Feuerwehr sein, die wir rufen, wenn es schon brennt“, so die Schulleiterin.

Langfristig sei es doch finanziell auch günstiger für die Gesellschaft, wenn durch frühzeitiges Eingreifen schlimmerer Schaden an den Kinderseelen vermieden würde, gibt sie zu bedenken.

An der berufsbildenden Theobald-Simon-Schule ist Schulsozialarbeit schon seit 23 Jahren etabliert, allerdings erst seit November 2022 mit einer vollen Stelle. Eine weitere Anlaufstelle ist die Schulseelsorgerin, die mit vier Stunden im Einsatz ist. Der Bedarf sei aber so hoch, dass auch das nicht ausreiche, sagen Schulsozialarbeiterin Helena Petry und Schulseelsorgerin Gabriele Centurioni. Eine weitere 75-Prozent-Stelle sei erforderlich. Denn: „Die Einsatzfelder in der Schulsozialarbeit haben sich in den letzten Jahren stark verändert und fordern von der Schulsozialarbeit und der Schulpastoral einen wesentlich höheren Zeitansatz“, sagen auch sie.

Wie seine Kollegen sieht Claus von Bronewski, Schulleiter an der Franziskus Grund- und Realschule plus Irrelebenfalls einen höheren Bedarf an Schulsozialarbeit als er derzeit von den Kommunen finanziert wird.


  Nicht nur die Herausforderungen in der Schule, sondern auch die in der Gesellschaft und in den Familien können für Schülerinnen und Schüler zur erheblichen Belastung werden.

Nicht nur die Herausforderungen in der Schule, sondern auch die in der Gesellschaft und in den Familien können für Schülerinnen und Schüler zur erheblichen Belastung werden.
Photograph: dpa/Sebastian Gollnow

Zusätzlich zu der vollen Stelle mit 39 Stunden sei eine Erhöhung um eine halbe Stelle an seiner Schule „dringend nötig.“

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