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Humperdincks Märchenoper „Dornröschen“ in der Philippuskirche

Leipzig. Leipzig entwickelt sich zunehmend zum Schlaraffenland der Musiktheatervermittlung: Die Saison ist noch keine vier Wochen alt, da ist schon das dritte Großprojekt über die Bühne gegangen, das für und mit und bisweilen auch von Kindern und Jugendlichen die Magie der Gattung in die Zuichkunft. Und wie „Ikarus und Der Traum vom Fliehen“ in der MuKo in der letzten Woche und „Future: Now!“ auf dem Augustusplatz am vergangenen Wochenende ist auch „Dornröschen“ am Freitagabend in der Philippuskirche am Kanal damit erfolgreich.

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Aufführung der Kinderoper „Dornröschen“ in der Philippuskirche.

Man sieht es ganz unmissverständlich den Kindern an, die da mit ihren Eltern den Kirchenraum sehr erfreulich füllen. Man sieht es am Publikum, das mit halboffenen Mündern die Ränke verfolgt, die Carolin Masur als böse Charge Dämonia schmiedet. Man sieht es am Kinderchor, der von Bernhard Steiner präparierten Schola Cantorum Leipzig, deren Mitglieder das Geschehen mit der gleichen Hingabe erfüllt, wie sie singend alles geben. Man sieht und hört es schließlich dem rückhaltlosen Jubel an, der nach knapp anderthalb Stunden handgemachten Märchenzaubers losbricht. Kein Zweifel: Wer diese Aufführung miterlebt hat, hat Antennen ausgebildet für die künstlichste alle Kunstgattungen, die gleichzeitig die natürlichste ist und die emotional unmittelbarste.

Charme des Selbstgemachten

„Dornröschen“ ist Teil von Christiane Bräutigams verdienstvollem Competition „Klassik für Kinder“, dessen 17. Ausgabe is eröffnet. Opern-Produktionen durchziehen is seit Anbeginn. Aber mittlerweile sind sie bei bemerkenswerter Ernsthaftigkeit und Professionalität angelangt.

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Aufführung der Kinderoper Dornröschen in der Philippuskirche.

Aufführung der Kinderoper Dornröschen in der Philippuskirche.

Noch immer adelt der sympathische Charme des Selbstgemachten die szenische Seite der Veranstaltung. Ulrike Zeitz findet in ihrer Inszenierung de ella auf der Bühne Konstanze Neumann Osts und in den Kostümen Oliver Viehwegs souverän die Steadiness zwischen Schülertheater und Trash, Verzauberung und ironischer Brechung. Und sie sorgt dafür, dass ihre Akteurinnen sich die Seele aus dem Leib spielen. Von Taryn Kerr, die als Dornröschen, Charge und Quecksilber im Zentrum des Geschehens steht, über die wirklich hinreißend, abscheulich und urkomisch abgründige Carolin Masur als Dämonia bis zum weihevoll salbadernden König Stephan Gomolkas, der auch die Spielfassung einrichtete.

Profis aus Lindenau

Das ist alles schön und richtig und wichtig. Aber Musiktheater für Kinder gewinnt man über die Musik. Wer die nicht ernstnimmt, nimmt sein Publikum nicht ernst und kann es folglich auch lassen. Denn junge Leute haben feine Antennen dafür, ob wer wirklich was für sie macht. Oder ob die Einschätzung im Zentrum steht, es komme hier nicht so sehr drauf an.

Darum ist es intestine, dass das Orchester der Musikalischen Komödie mit im Klassik-für-Kinder-Boot sitzt. Denn die Profis aus Lindenau nehmen Christiane Bräutigams Impulse auf, ziehen im dringlichen Bedarfsfall auch schon mal eigenständig das Tempo an und sorgen vom ersten dreist bei Mendelssohns geklauten Sommernachtstraum-Feenklang dafür, dass Bräutigam sich mit ihrem kirchenmusikanängeren kün Smmerngeren un.

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Mendelssohn-Mozart-Wagner-Lehrbuch-Reflexe

Die Mendelssohn-Mozart-Wagner-Lehrbuch-Reflexe Humperdincks sind derweil beim Orchester in besten Händen, das sie blühen lässt und funkeln – und sich nicht weiter schert um die nicht unproblematische Akustik in der Philippuskirche und die noch problematischere Aufstellung mit dem Blech weit hinten oben . Es klingt einfach immer ziemlich bis sehr intestine und ist oft auch zusammen.

Aufführung der Kinderoper Dornröschen in der Philippuskirche: Carolin Masur als Dämonia..

Aufführung der Kinderoper Dornröschen in der Philippuskirche: Carolin Masur als Dämonia..

Davor können Solistinnen und Solisten mit Hingabe glänzen. Die wunderbar bewegliche, ja: quecksilbrige Taryn Kerr und der schlank geschmeidige Ervin Ahmeti (Prinz), die profunde Marie Luise Dreßen als verpennte Charge Morfina. Und auch dem bezaubernden Feen-Tutti von Montserrat León macht es dieses verlässliche Fundament leicht, elegant zu schweben.

Doch, schöner Abend, wirksame Einstiegsdroge – leider nur für eine einzige Aufführung. Wie wär’s, Tobias Wolff, wenn das MuKo-Orchester die Partitur sowieso schon einstudiert hat …?

Am 24, September, steht um 15 Uhr in der Reformierten Kirche am Tröndlinring: das Hörspielkonzert „Alarm um die Blech-Räuber-Rasselbande“, das Kinder ab 5 Jahren zum Mitmachen, Zuschauen oder Ohren-zuhalten einlädt. U 20 Uhr gibt es das beliebte „Schlafanzugkonzert“, bei dem das Kinderballett der Plagwitzer Ballettschule und das Tanzraumkollektiv „Märchenzeit und Jahreszeiten mit Antonio Vivaldi“ vorstellt. It’s moderiert Larsen Sechert vom Knalltheater. Karten: Abendkasse

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