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Arbeitszeit-Erhöhung: Philologen befürchten Flucht vieler Lehrkräfte aus den Schulen – sie rufen Kollegien zum Dienst nach Vorschrift auf

Die angekündigte Erhöhung der Arbeitszeit für Lehrerinnen und Lehrer in Sachsen-Anhalt könnte aus Sicht des örtlichen Philologenverbandes zu einem Eigentor der Landesregierung werden – es drohe eine Verschärfung des ohnehin schon dramatischen Lehrermangels. Auch der Bundesverband meldet sich zu Wort. Er warnt die Kultusminister der anderen Bundesländer, dem Beispiel zu folgen. Und fordert Lehrkräfte auf, nicht mehr als vorgeschrieben zu arbeiten.

Wählen bald noch mehr Lehrkräfte den Notausgang? Photograph: Shutterstock

“Die Lehrerinnen und Lehrer werden diese weitere Mehrbelastung, so sie diese gesundheitlich noch stemmen können, mit einer verstärkten Flucht aus dem Arbeitsleben beantworten”, erklärte der Landesverbandsvorsitzende Thomas Gaube am Montag. «Der Attraktivität unseres Bundeslandes als künftigen Arbeitsort für Lehrerinnen und Lehrer haben Sie mit dieser Maßnahme einen Bärendienst erwiesen», sagte er in Richtung der Landesregierung.

Diese hatte in der vergangenen Woche angekündigt, dass Lehrerinnen und Lehrer künftig eine Stunde professional Woche länger unterrichten sollen (News4teachers berichtete). Für Grundschullehrer und -lehrerinnen bedeutet das in der Summe 28 Stunden professional Woche, für Lehrkräfte an Sekundarschulen und Gymnasien 26.

Damit erreicht Sachsen-Anhalt laut Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) den deutschen Durchschnitt. Die Verpflichtung zur Mehrarbeit soll zeitlich befristet sein und wird entweder vergütet oder auf einem Arbeitszeitkonto angespart. Laut Haseloff kann mit dieser Maßnahme in etwa die Hälfte von rund 1000 fehlenden Kräften an den Schulen kompensiert werden.

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„Die Erhöhung des Arbeitspensums ist keine Lösung für den gravierenden Lehrkräftemangel, sondern ein weiteres Hindernis auf dem Lösungsweg“

Der Philologenverband erklärte weiter: «Da der Dienstherr seine Fürsorgepflicht für die Aufrechterhaltung der Gesundheit und Dienstfähigkeit nur unzureichend wahrnimmt, wird der Verband Lehrkräfte unterstützen, Belastungsausgleiche außerhalb des Pflichtunterrichts zu finden und umzusetzen, um einer weiteren Zunahme der Gesamtarbeitsbelastung entgegenzuwirken.»

Der Deutsche Philologenverband spricht sich unterdessen mit Blick auf die anderen Bundesländer deutlich gegen eine Erhöhung der Regelstundenzahl für Lehrkräfte nach dem Vorbild Sachsen-Anhalts aus. „Die Erhöhung des Arbeitspensums ist keine Lösung für den gravierenden Lehrkräftemangel, sondern ein weiteres Hindernis auf dem Lösungsweg“, kritisiert die Bundesvorsitzende Prof. Susanne Lin-Klitzing. Eine weitere Erhöhung der Arbeitsbelastung würde nicht dazu führen, dass sich mehr Menschen für den Beruf des Lehrers oder der Lehrerin begeistern. Des Weiteren arbeiten Lehrkräfte meist sowieso über ihr Pensum hinaus, ohne dafür einen Ausgleich zu erhalten.

„Die Zeit der pädagogischen Hingabe ist vorbei, wenn das Land Sachsen-Anhalt die Lehrkräfte nun noch weiter belasten will“

Lin-Klitzing weiter: „In Sachsen-Anhalt wird jetzt politisches Versagen auf dem Rücken der Lehrkräfte sowie der Schülerinnen und Schüler ausgetragen. Wir tragen eine weitere Erhöhung der Regelstundenanzahl für Lehrkräfte nicht mit. Das Maß ist übervoll!“

Sie ruft die Lehrkräfte zum Dienst nach Vorschrift auf: nur noch genauso viel zu arbeiten wie gesetzlich vorgeschrieben. Lin-Klitzing: „40 Stunden als Vollzeitlehrkraft an fünf Tagen die Woche. Als Teilzeitlehrkraft entsprechend weniger. Die Zeit der pädagogischen Hingabe ist vorbei, wenn das Land Sachsen-Anhalt die Lehrkräfte nun noch weiter belasten will.“ News4teachers / with Supplies from the dpa

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